Frau Schneider, der zunehmende Wunsch nach resilienter Energieversorgung und Datensouveränität wird aktuell viel diskutiert. Welche Entwicklung zeigt sich dazu im Markt?
Die Resonanz auf dem Markt ist deutlich spürbar. Wir verzeichnen zunehmend Unternehmensanfragen nach Lösungen für neue Energieinfrastrukturen. Und diese Anfragen werden weiter zunehmen: Wir haben gemeinsam mit der KPMG eine Studie zur Relevanz der Energieversorgung für Unternehmen erstellt. Das Bild ist eindeutig: Viele Unternehmen planen, ihre Energieinfrastruktur gezielt weiterzuentwickeln, um unabhängig zu werden und sich vom klassischen Strommarkt abzukoppeln. Es gibt bereits heute punktuell stromintensive Unternehmen mit Energie-Eigenversorgung, aber wir erwarten einen echten Hochlauf ab etwa 2028.
Wie lässt sich die aktuelle Dynamik bei diesem Thema erklären?
Energieversorgung war über Jahrzehnte ein reines Commodity-Thema – eine Aufwandsposition in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Zuständigkeit lag beim Einkauf, das Unternehmen hat Lieferverträge mit dem örtlichen Versorger abgeschlossen und sich ansonsten wenig damit beschäftigt. Weder beim Finanzvorstand noch beim Einkauf oder der Facility-Abteilung hatte das Thema besondere Relevanz. Das hat sich fundamental geändert. Die geopolitische Ereignisse der letzten Jahre – der Krieg in der Ukraine, die Spannungen rund um die Straße von Hormus und alles, was damit zusammenhängt – haben gezeigt, dass Energie sich zu einem hochkomplexen Markt entwickelt hat.
Hinzu kommt der anhaltende Wunsch, konsequent auf Energieträger aus erneuerbaren Energien umzusteigen. Und gerade im Kontext der Digitalisierung und des damit verbundenen Strombedarfs ist der Zugang zu einer stabilen Energieversorgung heute standortentscheidend. Aufgrund dieser Wichtigkeit landet das Thema inzwischen häufig direkt beim Finanzvorstand. Energieversorgung ist Teil der Unternehmensstrategie geworden.
Sie haben Digitalisierung bereits als Treiber des steigenden Energiebedarfs angesprochen. Welche Bedeutung messen Sie Rechenzentren in diesem Zusammenhang bei?
Rechenzentren sind die Grundlage für Digitalisierung, künstliche Intelligenz und digitale Souveränität. Der Bedarf an Rechenleistung wächst rasant und macht digitale Infrastruktur zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen und ganze Volkswirtschaften. Spannend ist dabei, dass Rechenzentren weit mehr sind als klassische Immobilien. Hier verschmelzen Gebäude, Energieversorgung, Kühlung und IT zu einem hochkomplexen Gesamtsystem. Deshalb sprechen wir von einer eigenständigen Assetklasse mit besonderen Anforderungen an Planung, Betrieb und Finanzierung.
Für Unternehmen gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Digitale Infrastruktur wird künftig ähnlich unverzichtbar sein wie Energieversorgung, Produktion oder Logistik. Gleichzeitig hängt der wirtschaftliche Erfolg eines Rechenzentrums maßgeblich von einer leistungsfähigen und verlässlichen Energieversorgung ab. Genau daran wird sichtbar, wie eng Energie- und Digitalinfrastruktur künftig miteinander verbunden sein werden.
Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, sich intensiver mit dem Thema Energie-Eigenversorgung zu beschäftigen?
Weil parallel zu den genannten Schocks von außen eine sehr günstige Entwicklung auf der Angebotsseite stattgefunden hat: Die Technologien sind inzwischen ausgereift und die Erzeugungskosten erneuerbarer Energien attraktiv - tatsächlich haben Erneuerbare mittlerweile die günstigsten Gestehungskosten, das ist ein knallhartes ökonomisches Argument.
Nehmen wir das Beispiel der CO2-Bepreisung: Aktuell liegt der Preis pro Tonne bei etwa 55 bist 65 Euro, und es gibt ernstzunehmende Einschätzungen, dass er sich verdoppeln, verdreifachen oder sogar auf bis zu 275 Euro pro Tonne vervierfachen könnte. Wer heute in eigene erneuerbare Erzeugung investiert, sichert sich gegen diese Risiken ab.
Welche Hürden entstehen für Unternehmen, wenn sie größere Investitionsentscheidungen in eigene Energie- und Digitalinfrastruktur planen?
Für Unternehmen geht es oft weniger um die Kosten als um die Suche nach einem Partner mit dem passenden Know-how und einer geeigneten Finanzierungsstruktur: Sobald Strom nicht mehr einfach aus der Steckdose kommt, sondern selbst erzeugt, gespeichert und gesteuert werden muss, brauchen Unternehmen sowie der Finanzierer ein Verständnis für einen Markt, mit dem sie sich vorher nie auseinandersetzen mussten.
Ein Beispiel: Ein Industrieunternehmen, sagen wir mit 500 Millionen Euro Umsatz, möchte seinen Energiemix ändern – es plant eine Kabeltrasse, ein kleines Umspannwerk, eine Windkraftanlage auf dem eigenen Grundstück, eine Aufdach-Photovoltaikanlage. Das Unternehmen steht dann vor der Herausforderung, all das in eine Fremdkapitalstruktur zu überführen – auf Holding-Ebene, über eine Objektgesellschaft, wie auch immer. Genau an diesem Punkt kommen wir ins Spiel. Solche Unternehmen bauen eine Aufdachanlage, eine Windkraftanlage, vielleicht einen kleinen Batteriespeicher und eventuell ein Co-Location-Rechenzentrum, sie finanzieren also Energietechnik, Hard- und Software sowie die dazugehörige Immobilie. Diese Bausteine bekommen sie bei kaum einer Bank als gemeinsame Finanzierung abgebildet. Wir bieten das von A bis Z aus einer Hand: ein zentraler Ansprechpartner für die gesamte Neuaufstellung der Energieversorgung.