Aber Sie sagen, Leasing funktioniert im Bereich Bahnbaumaschinen auch gut?
Ja, dagegen spricht erst einmal nichts. Der langjährige Investitionsplan bei der Sanierung des Schienennetzes sollte das Risiko für Leasing- oder Asset-Finance-Anbieter reduzieren und damit dem Auftraggeber zugute kommen. Weniger gut funktionieren Leasingmodelle allerdings für Straßenbahnen im ÖPNV-Bereich. Das liegt unter anderem daran, dass solche Modelle oft aus haushaltsrechtlichen Gründen der öffentlichen Auftraggeber nicht möglich sind. Derlei Einschränkungen gibt es bei Bahnbaumaschinen nicht, daher bieten sich solche Finanzierungen in diesem Bereich grundsätzlich an.
Sehen Sie in der Industrie ausreichend Bereitschaft, sich auf solche Finanzierungsmodelle einzulassen?
Definitiv. Das Interesse ist da. Das habe ich beispielsweise auch wieder auf unserer Rail-Konferenz in Hamburg gemerkt, die wir einmal jährlich veranstalten, und bei der wir im Frühjahr mehr als 200 Entscheiderinnen und Entscheider der deutschen Bahnbranche begrüßen dürften.
Veränderungen im Sektor müssen auch von der Politik angestoßen werden. Welche Erwartungen haben Sie hinsichtlich Reformen an die schwarz-rote Bundesregierung und an das Bundesverkehrsministerium?
Unsere Erwartungen als Finanzunternehmen sind da nicht anders als die der Industrie insgesamt. Wir sind jetzt natürlich erst mal gespannt, wieviel des Infrastruktur-Sondervermögens an die Bahn geht. Diese Mittel können ja aber nur eine Ergänzung sein zu den Mitteln, die im regulären Haushalt eingestellt werden. Insgesamt müssen diese Investitionen verlässlich sein und planbar vergeben werden. Wenn das passiert, wäre schon viel erreicht.
Bei der von Ihnen erwähnten Rail-Konferenz in Hamburg war auch viel von Standardisierung die Rede.
Ein ganz wichtiges Thema. Als Finanzierungspartner sehen wir viele Ausschreibungen, beziehungsweise sind indirekt an ihnen beteiligt. Gefühlt ist das jedes Mal ein völlig anderer Prozess. Deshalb beschäftigen wir eine große Zahl an Experten, nicht nur für die Branche selbst, sondern auch für andere Bereiche, etwa für EU-Recht oder für nationales Recht. So wird jede Ausschreibung zu einem ausgewachsenen Projekt. Uns wäre sehr geholfen – und ich denke der Bahnindustrie insgesamt – wenn diese Prozesse viel stärker standardisiert würden. Das gilt etwa auch für Genehmigungs-und Planungsverfahren.
Sie haben als DAL auch Erfahrung mit Ausschreibungen im Bereich erneuerbare Energien, beispielsweise im Rahmen von Wind- und Solarparkfinanzierungen. Ist es in diesen Bereichen genauso kompliziert wie im Bahnsektor?
Bürokratie gibt es nicht nur im Bahnsektor. Aber ich muss schon sagen, dass die Prozesse hier oft besonders kompliziert sind. Und es gibt noch einen weiteren großen Unterschied, den wir oft feststellen: Im Bahnsektor gibt es vergleichsweise wenige staatliche Förderprogramme, was die Anschaffung von Mobilien, also etwa Fahrzeugen, angeht. Förderprogramme spielen in unserem Geschäftsbereich erneuerbare Energien eine viel größere Rolle.
Was würden Sie sich konkret wünschen?
Ich könnte mir beispielsweise gut vorstellen, dass sich die KfW im Bahnsektor viel stärker einbringt. Bei Energieinfrastrukturprojekten ist das bereits häufig der Fall, mit positiven Effekten auf deren Finanzierbarkeit. Bei der Bahn nur sehr wenig – obwohl wir es ja auch hier ein Stück weit mit Daseinsvorsorge zu tun haben.